Das falsche Gerücht vom schädlichen Elektroauto.

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Dass das E-Auto der Umwelt mehr schadet als nützt, ist eine Erzählung, die natürlich denen hilft, die traditionelle Autos weiterproduzieren wollen – und jenen, die von ihrem Verbrenner nicht lassen und sich dennoch gut damit fühlen wollen. Nachvollziehbar, aber leider nicht sehr veranwortungsbewusst.

Ich bin ja bekanntlich E-Auto-Befürworter und habe an verschiedenen Stellen meine Erfahrungen mit und meine positiven wie kritischen Gedanken zur Elektromobilität immer wieder dokumentiert. Heute will ich nur kurz drei Artikel verlinken, aus denen aus meiner Sicht recht überzeugend hervorgeht, dass das „Stammtischgerede“ zum schädlichen Elektroauto nichts anderes ist als das – eher uninformiertes Gerede.

Bei Bloomberg wird in einem Artikel eine Studie aus dem eigenen Haus zitiert, die zu dem Ergebnis kommt, dass bereits im vergangenen Jahr die CO2-Emissionen von Elektroautos im Mittel 40% niedriger waren als die herkömmlicher Kraftfahrzeuge. Das schließt auch Elektroautos in China ein, die mit dem dortigen noch immer recht kohlelastigen Strommix fahren. Hinzu kommt die laufende Reduktion der Emissionen von E-Autos durch die kontinuierliche Verbesserung unserer Stromversorgung. Einer der Autoren der Studie, Colin McKerracher:

Wenn ein Verbrennungsfahrzeug vom Band rollt, sind seine Emissionen pro Kilometer festgelegt, aber für ein Elektrofahrzeug fallen sie Jahr für Jahr – dadurch, dass das Stromnetz sauberer wird.

Das ist auch das, was ich an der Argumentation gegen E-Autos anhand des aktuellen Strommix immer so störend finde: Es wird nicht anerkannt, dass E-Autos, Züge, andere E-Fahrzeuge in ihren CO2-Emissionen immer besser werden – während Verbrenner, einmal produziert, einfach fest auf ihrem Niveau verharren.

Ein zweiter Text stammt von unseren FreundInnen bei Electrive, die sich die Mühe gemacht haben, mal bei einer modernen Batterie-Recycling-Firma zu erfahren, was denn eigentlich der Stand der Dinge beim Akku-Recycling ist. Denn das ist das zweite große Argument, das immer gegen batterieelektrische Fahrzeuge ins Feld geführt wird: Die Produktion der Akkus ist eine ganz schlimme Sache, die schadet der Erde mehr als alles andere. Auch das muss man zeitlich sehen – mittelfristig wird es keine Alternative für das Recycling der Akkus geben, und dann gilt genau das, was auch für den Antrieb der E-Autos gilt: Mit stärker regenerativem Netz wird auch das Recycling immer ressourcenschonender.

Was allerdings jetzt dringend nötig ist: dass die Unternehmen gesetzlich zu einer höheren Recycling-Quote verpflichtet werden. Und da ist China uns mal wieder voraus:

Es gehört zur enttäuschenden Lebenswirklichkeit, dass sich das Recycling trotz steigender Ressourcenpreise noch nicht lohnt. Es ist weiterhin billiger, Lithium oder Kobalt neu zu fördern. Weil die Nachfrage aber radikal ansteigen wird und die Herkunftsländer ihre Marktmacht zunehmend nutzen, sollten die EU die Mindestrecyclingquote von nur 50 Gewichtsprozent drastisch erhöhen. Im Reich der Mitte ist man hier schon einen Schritt weiter: China will Hersteller von elektrifizierten Fahrzeugen bei der Rücknahme und dem Recycling gebrauchter Batterien in die Pflicht nehmen.

Ja, noch werden zu viele Ressourcen aus der Erde geholt. Aber wenn der politische Wille und die wirtschaftliche Notwendigkeit zusammenkommen, wird sich das ganz schnell ändern.

Und die Wirtschaftswoche – die ja nicht unbedingt bekannt ist als progressives Öko-Kampforgan – bietet einen ausführlichen Artikel an, der mit den beliebtesten Mythen zum gefährlichen E-Auto aufräumt. Unter anderem mit der sogenannten Schweden-Studie, von der sich mittlerweile die Autoren sogar wieder distanziert haben:

Die Geschichte dieser Zahl ist ein Lehrbuchbeispiel darüber, wie – unabhängig vom Thema – Fake News in die Welt kommen. Sie basiert auf aus dem Kontext gerissenen Worst-Case-Szenarien, auf in die Aktualität extrapolierten, veralteten Daten (der Strommix ist zum Beispiel inzwischen CO2-ärmer), fälschlicherweise auf Deutschland übertragenen schwedischen Größen sowie auf einfachen Übersetzungsfehlern.

Auch zum angeblich überforderten Stromnetz gibt es hilfreiche Gedanken – die im Übrigen davon ausgehen, dass wir einfach alle Verbrenner von heute durch E-Autos ersetzen, was ja ohnehin kein wünschenswertes Ergebnis bzw. keine wirkliche Verkehrswende sein kann:

Die Behauptung, das Stromnetz halte Millionen von E-Autos nicht stand, geht von der falschen Prämisse aus, dass die Netze in 30 oder 40 Jahren noch dieselben sind wie heute. Das wird aber nicht der Fall sein. Und Strom gibt es ebenfalls genug.

Wenn also mal wieder jemand erläutert, dass die E-Autos dem Klima mehr schaden als nützen, dann kann man mit diesen Texten gut gegenhalten.

Viel schlimmer wiegt aus meiner Sicht dabei aber eine ganz andere Sache: Aus diesen Texten wird deutlich, dass wir mit dem massenhaften E-Auto-Fahren das Klimaproblem auch nicht in den Griff bekommen, denn eine Menge CO2-Emissionen bleiben, auch wenn sie geringer sind. Die eigentliche Nachricht ist also zweigeteilt:
Doch, E-Autos sind besser fürs Klima – aber auf E-Autos umzusteigen, reicht allein nicht aus. Wir werden unser Verhältnis zur Mobilität insgesamt überdenken und ändern müssen.

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