Keynes & Hayek, live in Ihrer Geldbörse!

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Gestern früh habe ich den langen Text zum Streit zwischen Keynes und Hayek veröffentlicht. Gleich am Nachmittag fand ich dann im Mail-Austausch mit Ulf Schmidt ein schönes Beispiel zur Wirkung der Theorien der beiden Denker im heutigen Alltag. (Deshalb ist die Illustration heute auch nur eine leicht bearbeitete Version meiner Zeichnung von gestern …)

Keynes hätte seine Freude an einer Meldung gehabt, die Ende letzten Jahres die Runde machte: bei SpOn, WELT und der ZEIT konnte man nachlesen, dass sich die Staatsausgaben zur Unterstützung der Flüchtlinge in Deutschland deutlich positiv auf das Wachstum niederschlagen. Die Ökonomen schienen einig, dass die Ausgaben für die Flüchtlinge — welche ganz überwiegend in den Konsum fließen — ca. 0,3% zum Wirtschaftswachstum beigetragen haben: also, Geschäft im Einzelhandel, Umsatz, Jobs. Andernfalls wäre das dritte Quartal sogar ins Minus gerutscht:

Nur dank des überraschend kräftigen Anstiegs bei den Staatsausgaben konnte Deutschland zwischen Juli und September überhaupt noch ein Wachstum ausweisen. Andernfalls wäre Deutschlands Wirtschaftsleistung wohl ins Minus gerutscht.

Da stellt sich die Frage: wenn derartige Unterstützung des Konsums durch soziale Leistungen — und Hilfe für Flüchtlinge ist eindeutig eine Sozialausgabe — einen derart positiven Effekt hat, warum macht man sowas dann nicht regelmäßig? Geld ist ja da. Die Antwort ist wohl leicht zu finden: direkt im selben Text etwas weiter unten beim Spiegel heißt es:

Gleichzeitig wird die Flüchtlingskrise die Länderhaushalte auch im Jahr 2017 stark belasten.

„Gleichzeitig“? Aber es kommt doch allen zugute! Das Geld fließt doch durch die erhöhten Ausgaben und daraus resultierende Steuern den privaten wie öffentlichen Haushalten wieder zu!

Und doch: wir leben in einer Zeit, in der Keynes’sche Konjunkturprogramme in Deutschland verpönt sind. Austerität ist angesagt! Passieren kann sowas also offenbar nur „aus Versehen“, wenn man sich grade mal „zwangsläufig“ um Flüchtlinge kümmern muss.

Andernfalls: wenn Geld da ist, wird lieber gefordert, dass man Steuern senken müsse — anstatt den Konsum zu unterstützen. Wir wollen ja — long live Hayek — den Staat weiter schwächen.

An anderer Stelle wird dafür auf europäischem Niveau eine Art „entgegengesetzter Keynes“ organisiert — nicht der Konsum wird angeregt, sondern durch immer mehr Geld für die Banken soll irgendwie der Wirtschaft geholfen werden … nur wie? Wenn eben dieser Wirtschaft die Kunden wegbleiben?

Wenn dann wirklich gar nichts mehr geht, gibt es als aktuelle letzte Idee zum Kaschieren der Probleme eines marktliberalen Kapitalismus ohne Solidarität und soziale Systeme, dass man „Hubschraubergeld“ für alle abwirft. Sozusagen ein verkappter Blitz-Keynes, von dem man nicht zugibt, dass es einer ist. Anstatt dass man mit solchen Geldern das soziale System, Bildung & Co. repariert und vor allem wieder ordentlich finanziert. Damit wieder mehr Menschen regelmäßig mehr Kaufkraft haben, und die Welt friedlicher bleibt.

Hayek hatte offenbar wirklich unrecht — und dennoch wird weiter auf ihn gehört.

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