Das Rezept, um die Welt zu verändern. Oder: Let’s Not Give Much of a Fuck About Donald Trump!

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Vergangene Woche sprach ich mit einer Freundin über die Frage, wie wir uns im Alltag sinnvoll für die Veränderung der Gesellschaft einsetzen können. Sie meinte, dass sie derartige Versuche zwar immer wieder unternimmt, aber dann oft auch wieder aufgibt – denn sie sieht nicht, wie sie allein etwas bewirken kann:

Ich wechsele zu Ökostrom, bemühe mich, kein Fleisch mehr zu essen, versuche bewusster einzukaufen … aber irgendwann höre ich dann immer wieder auf, weil ich denke, dass es ja doch nichts bringt.

Dieser Gedanke ist nicht falsch. Aber er ist unvollständig. Die Wirkung der eigenen Aktionen ist tatsächlich vernachlässigbar, wenn man sie für sich allein und isoliert betreibt und betrachtet. Sinnvoll werden sie erst, wenn man sie mit dem Leben anderer Menschen vernetzt.

Das soll nicht heißen, dass man einen Veganerverein gründen oder Einkaufsgruppen bilden muss. (Auch wenn das natürlich keine schlechten Ideen sind!) Sondern: bewusste Konsumentscheidungen oder politische Aktivitäten werden schon allein dadurch zu vernetzten Aktivitäten, dass man über sie spricht!

Die meisten Menschen ändern ihr Verhalten nur sehr langsam, und oft überhaupt erst, wenn stetiger Druck zur Veränderung im sozialen Umfeld entsteht. Diesen Druck kann man erzeugen. Damit ist nicht gemeint, dass man seinen Mitmenschen mit missionarischem Gehabe auf den Geist geht – das ist oft eher kontraproduktiv und bewirkt leicht das Gegenteil. Die Leute fühlen sich genervt und wenden sich ab. Stattdessen sollte man eine Art „Politik der kleinen Nadelstiche“ betreiben, durch regelmäßige alltägliche Erwähnungen der Themen, die einem am Herzen liegen – nicht im besserwisserischen Oberlehrertonfall, sondern eher als staunender Entdecker. Und so webt man gemeinsam mit anderen, die das gleiche tun, mittelfristig eine Art „Wirkungsnetz“ in einer Bevölkerung. Denn wir pflegen unsere sozialen Netzwerke ja vor allem über Gespräche – sie sind die Verbindungen zwischen uns Menschen.

Zwei Beispiele dafür, wie so etwas funktionieren kann:

Vegane Lebensweise
Ich selbst esse noch hin und wieder Fleisch, dazu konsumiere ich Milchprodukte und Eier. Ich erlebe die kleinen Nadelstiche in diesem Bereich also als Empfänger. Es mag an meiner persönlichen Blase oder an der Stadt Berlin liegen, aber in meinem Umfeld hat sich die vegane Lebensweise von „etwas durchgeknallte Idee“ (noch vor ein paar Jahren) zu „erstaunlich weit verbreitet“ entwickelt. Manchmal ist die Motivation dafür ganz ichbezogen – viele Menschen wollen aus Gesundheitsgründen kein Fleisch mehr essen und merken zudem, dass ihnen Milchprodukte nicht bekommen. Aber immer öfter ist der Hintergrund auch ökologisch – die massenhafte Tierhaltung für Verzehr und Milchproduktion sorgt mit für den Klimawandel und hat andere negative Konsequenzen für die Erde. Ganz entscheidend ist nun: keiner dieser Freunde und Bekannten versucht, mich zum Veganertum zu bekehren. Ganz im Gegenteil, sie reden einfach über Dinge, die sie beschäftigen – in diesem Fall natürlich grade, wenn wir gemeinsam essen. Je mehr Menschen das in meinem Umfeld tun, desto mehr Gedanken mache ich mir selbst über meinen Lebensmittelkonsum, desto weniger Fleisch esse ich, und desto häufiger denke ich über meinen Milch- und Eierkonsum nach. Und vielleicht kippt es irgendwann ganz.

Elektromobilität
Bei diesem Thema erzeuge ich selbst die kleinen Nadelstiche bei anderen. Ich bin großer Fan von Elektromobilität, fahre ein Elektroauto (das ich Freunde natürlich auch fahren lasse), habe ein Elektro-Motorrad (das ich allerdings grade verkaufen will), nutze den E-Scooter-Verleih emmy in Berlin, bemühe mich, bei DriveNow immer den i3 zu erwischen, und schreibe diese Zeilen aus dem Zug, weil ich entschieden habe, eine Reise nach München nicht mit dem Flugzeug, sondern mit der Bahn zu machen, auch wenn das bedeutet, um 3 Uhr aufzustehen. Zugleich versuche ich aber fast nie, Leute aktiv davon zu überzeugen, dass sie auch ein Elektroauto kaufen, oder auf den Flug zugunsten der Bahn verzichten. Das Thema fällt aber immer mal wieder, wenn man mit mir zusammen ist. Ich nehme nicht an, dass meine Meinung und Haltung direkt dazu führen, dass andere ihr Verhalten ändern. Aber ich weiß, dass sich meine Stimme einreiht in den langsam wachsenden Chor derer, die vermitteln: „Man kann rein elektrisch fahren, das funktioniert immer problemloser, es macht richtig Spaß, eigentlich noch viel mehr als andere Arten der Fortbewegung, und mit dem Ausbau der regenerativen Energien setzen wir damit auf eine zukunftsfähige Art der Mobilität.“ Heute findet man vielleicht einen entsprechenden Zeitschriftenartikel, morgen sieht man einen Nachrichtenbeitrag, und dann trifft man einen weiteren Mitmenschen, der in seinem Alltag ebenfalls elektrisch unterwegs ist. Und plötzlich merkt die betroffene Person, dass sich die Welt ändert, und sie möchte mit dabei sein. Und wird so zum nächsten Impulsgeber für kleine Nadelstiche.

Ein Rezept für jetzt und heute
Anstatt auf Donald Trump zu schimpfen und zu meinen, dass die Welt sich nur verändert, wenn „die da oben“ die richtigen Entscheidungen treffen, können wir ab sofort und heute zwei Dinge tun:

  1. Bei uns selbst anfangen, indem wir in unserem Leben die Dinge ändern, die wir ändern wollen.
  2. Und dann darüber reden.

So können wir mithelfen, unsere Gesellschaft zu verändern. Das geht nicht über Nacht. Aber es geht. So funktioniert gesellschaftlicher Wandel. Ganz ohne, dass wir auf den US-Präsidenten, die deutsche Bundesregierung, oder wen auch immer warten müssen.

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Hinweis: wer sich für Elektromobilität interessiert, könnte am Newsletter „electrive“ Spaß haben, der von meinen Freunden bei Rabbit Publishing produziert wird. Da gibt es jeden Morgen die neuesten Nachrichten zu E-Fahrzeugen und zur Branche – in einem übersichtlichen unterhaltsamen Newsletter.

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