Zwischenfazit: sechs Monate Kaffee & Kapital.

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Nach dem ersten Zwischenfazit, das ich ein Vierteljahr nach Start dieses Blogs veröffentlicht habe, kommt nun das zweite Resüme: am 1. Juni sind sechs Monate seit dem Launch von Kaffee & Kapital verstrichen.

Mittlerweile kristallisiert sich bei meiner Arbeit eine Aufteilung der Projekte in zwei Kategorien heraus: Politik und Entertainment. Diese Aufteilung ist einerseits eher organisch entstanden, andererseits ist sie inhaltlich notwendig.

Politik 1: Blog
Dieses Blog ist weiterhin das „Basislager“ meiner politischen Arbeit. Hier kann ich öffentlich mit den Themen kämpfen, die mich beschäftigen — sei es mein sehr persönliches Ringen mit dem eigenen Unvermögen, der Komplexität und den Herausforderungen unserer Welt gerecht zu werden. Sei es das Eingehen auf ganz spezielle inhaltliche Bedürfnisse — wie beispielsweise kürzlich der vielgelesene Text plus Diskussion zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen. Das Schreiben erlaubt mir immer wieder, mir Klarheit über meine eigenen Gedanken zu verschaffen. Außerdem erhalte ich hilfreiche Unterstützung von den KommentatorInnen.

Nebenbei haben sich meine animierten Gifs als Titelbilder der Texte zu einem regelmäßigen Feature entwickelt – es macht mir jedes Mal viel Spaß, die Gifs zu zeichnen. (Auch wenn es manchmal etwas in Stress ausartet, weil ich üblicherweise kaum mehr als eine halbe Stunde bis Stunde Zeit dafür habe …)

Politik 2: Event
In Zusammenarbeit mit Kai Schächtele, Christian Frey und Max von Klitzing in Hamburg arbeite ich derzeit an einem Event in Berlin am 22.09.2017. Zwei Tage vor der Bundestagswahl wollen wir die großen politischen Themen zum Gespräch machen, die aus unserer Sicht eigentlich die volle Aufmerksamkeit der Politik verdienen — und fragen, ob sie auch diese Aufmerksamkeit erhalten. Wir haben noch viel zu tun, und ich kann noch nicht konkreter werden – nur so viel: es soll um Politik gehen, aber vor allem Spaß machen, und Lust auf die Zukunft! Alle Interessierten sind hiermit bereits eingeladen, sich den Abend des 22.09. vorzumerken.

Politik 3: Dokumentarfilm
Gemeinsam mit der Filmemacherin Kim Münster plane ich jetzt die Produktion eines Dokumentarfilms zu einem politischen Thema. Auch hier kann ich derzeit keine Details veröffentlichen, und das Projekt wird absehbar sicherlich bis tief ins Jahr 2018 dauern, wahrscheinlich auch darüber hinaus. Aber es gehört der Vollständigkeit halber hierher.

Entertainment
Ich habe oben geschrieben, dass es inhaltlich notwendig ist, meine Arbeit zweizuteilen. Gemeint ist damit, dass ich einen mentalen Ausgleich für den Umgang mit den politischen Themen brauche. Wenn man so tickt wie ich, können einem die vielen Probleme, denen wir uns gegenüber sehen, hin und wieder sehr zusetzen – beispielsweise, wenn ernstzunehmende Wissenschaftler in einem Dokumentarfilm schätzen, wir hätten als Menschheit im schlechten Fall vielleicht noch 35 Jahre hier auf der Erde vor uns. Dann kann das menschliche Leben aufgrund all der selbstgemachten Zerstörung und Umwälzung in einer Katastrophe enden. Von solchen Einsichten erhole ich mich manchmal tagelang nicht richtig. Und bin dann unfähig zu verstehen, was eigentlich meine Rolle in diesem Szenario ist. Dass so eine emotionale Lähmung keinerlei produktiven Beitrag leistet, ist mir natürlich gedanklich klar. Aber das hilft manchmal auch nicht gegen depressive Stimmung an. Umso dankbarer bin ich, dass einen Ort und einen Zirkel von Leuten gefunden habe, die mich regelmäßig ins Hier & Jetzt zurückholen.

Entertainment 1: Improv Comedy
In den englischsprachigen Improv-Theater-Kursen von Hive Improv sowie im dazu gehörigen Comedy Cafe Berlin (CCB) lerne ich grade eine sehr interessante Szene von (überwiegend Expat-)Kreativen kennen, die den US-amerikanischen Ansatz der Upright Citizens Brigade für Comedy Improv nach Berlin gebracht haben. Wenn man mit ihnen Improv Theater macht, dazu noch in einer Sprache, die nicht die eigene Muttersprache ist (während 90% der Mitspieler englische Muttersprachler sind!), kann man sich nicht zugleich über das Ende der Menschheit in 40 Jahren sorgen – man muss im Moment sein. Und das macht sehr viel Spaß!

Entertainment 2: Comedy-Kurzfilm, etc.
Aus der Comedy-Szene um das CCB herum ist bereits ein erstes Kurzfilmprojekt entstanden, das ich derzeit mit einem kleinen Team entwickele. Auch wenn der Film nur wenige Minuten lang sein wird, werden wir voraussichtlich erst Ende des Jahres fertig. Wir wollen uns um Qualität bemühen, und absolvieren auf diese Weise quasi gemeinsam unsere eigene Selfmade-Filmschule. Ein anderer Improv-Freund macht sich auf YouTube über Filmkritiken lustig, dort konnte ich auch schon an neuen Folgen mitwirken, die grade entstehen. Dazu gibt es weitere Ideen für Filmprojekte mit den talentierten Leuten am CCB, und ich freue mich schon auf das, was dort noch alles entstehen kann.

Da die Comedy-Projekte nicht zu Kaffee & Kapital passen, werde ich darüber künftig auf Omnipolis schreiben, wenn es etwas dazu zu sagen gibt.

Ausblick
Als Leitmotiv durchzieht mein Schreiben ja von Beginn an die Idee, insbesondere politische Bücher hier auf dem Blog zusammenzufassen. Ebenso regelmäßig ergibt sich, dass es mir einfach nicht gelingen will, damit nennenswerte Fortschritte zu machen. Ab Mitte Juli (vorher geht es wegen verschiedener Reisen und Verpflichtungen nicht) werde ich einen letzten Versuch unternehmen, das zu ändern: ich werde mir regelmäßige Offline-Auszeiten außerhalb von Berlin nehmen – vielleicht sogar in einem wöchentlichen Rhythmus – und mich dort dann hoffentlich besser auf Bücher und lange Texte konzentrieren können. Wenn man sich diesen Text ansieht, wäre die naheliegende Frage natürlich, ob ich mich nicht schlicht verzettele mit den verschiedenen Projekten – und deshalb mit den Büchern nicht weiterkomme. Aber ich glaube nicht, dass das mein Problem ist. Das Blog und der Event gehören organisch zusammen. Der Dokumentarfilm erfordert aktuell nur sehr wenig Zeit. Und die Comedy-Projekte finden am Abend oder am Wochenende statt.

Das Problem ist nicht ein Verzetteln, sondern eindeutig mein Mangel an Konzentrationsfähigkeit aufgrund des Sogs der Online-Welt. Dem muss ich mich entziehen, um endlich wieder die Ruhe und den Fokus für lange schwierige Texte zu finden.

Abgesehen davon bin ich mit der aktuellen Entwicklung hier eigentlich sehr zufrieden. Mit dem Zustand unserer Welt bin ich es leider nicht.

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