Vorstellung meines Filmprojektes: „Wellbeing Economies“

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Ich habe es hier auf dem Blog mehrfach erwähnt — wir arbeiten derzeit an einem Dokumentarfilm. Nun gehen wir mit einer Website ins Netz, auf der wir die Arbeit an dem Film begleiten und dokumentieren wollen:

wellbeingeconomies.film

Dabei ist „Wellbeing Economies“ nicht der endgültige Name des Films, es ist unser derzeitiger Arbeitstitel — den finalen Namen werden wir noch finden müssen. Die Web-Seite startet heute mit diesem kleinen Trailer, den wir für den Launch des Blogs gedreht haben (2 Minuten):

Der Kerngedanke unseres Films: Das “unendliche Wachstum” unserer Wirtschaft — ausgedrückt im Wachstum des Bruttoinlandsproduktes — kann kaum weiter die Leitschnur für unser wirtschaftliches und politisches Handeln sein. Die Ausbeutung der endlichen Resourcen hier auf der Erde zerstört absehbar alle Natur und damit uns selbst. Und uns Menschen in den entwickelten Volkswirtschaften macht das „Wachstum“ schon lange nicht mehr glücklich. Ganz im Gegenteil: Wir können ja derzeit alle beobachten, wie unsere Gesellschaften innerlich immer weiter auseinanderdriften. Dennoch wird das Wachstum der Wirtschaft weiterhin als das zentrale Ziel in unseren entwickelten Volkswirtschaften angesehen.

Was braucht es, damit die Politik versteht, dass sich das ändern muss? Gerade in heutiger Zeit, in der der Klimawandel uns ohnehin ein massives Umdenken in genau dieser Richtung abfordert?

Um dieser Frage nachzugehen, begleiten wir zwei Menschen, die daraus ein politisches Projekt gemacht haben. Wissenschaftler, Ökonomen und Aktivisten gibt es immer mehr, die das einfordern. Aber wie gelangt diese Idee wirklich in die Politik?

Katherine Trebeck hat in Schottland für Oxfam gearbeitet und dabei ein Projekt aus der Taufe gehoben, das sich „Wellbeing Economy Governments“ nennt: eine Zusammenarbeit zwischen nationalen und regionalen Regierungen, die sich künftig als Wellbeing Economies verstehen wollen — Länder, in denen der Fokus darauf liegen soll, dass es den Menschen wirklich besser geht, anhand einer Reihe von Indikatoren, und nicht anhand des Wachstums des BIP. Und in denen die Natur wieder zu ihrem Recht kommt, weil wir anerkennen, dass wir als Menschen nur mit der Natur überleben können. Slowenien, Schottland und Costa Rica wollten Gründungsmitglieder sein, Neuseeland und Island sind auch interessiert. Aber der Prozess ist mühsam. In Costa Rica ist die innenpolitische Situation grade schwierig, und aktive Fürsprecher für das Projekt im Handelsministerium haben ihre Jobs verloren. Wird Costa Rica dabei bleiben? Dazu droht eine Aufweichung der Idee: Was ursprünglich als Kritik an den G7, eine öffentliche Erklärung und als wirklich neue Idee für eine bessere Welt gedacht war, wird runtergedampft auf ein Frühstückstreffen am Rande einer OECD-Konferenz in Südkorea. Kann die Idee überhaupt die politische Realität überleben?

Lorenzo Fioramonti war lange Jahre Professor für politische Ökonomie in Südafrika. Dort hat er eine Reihe Bücher veröffentlicht, die alle dokumentieren, in welcher Weise der sehr begrenzte Fokus auf das BIP unsere Welt beutelt. Und er hat eigens ein Buch über “Wellbeing Economies” geschrieben. Aber Lorenzo weiß, dass der Kampf politisch werden muss. Der gebürtige Italiener ist deswegen dieses Jahr nach Italien zurückgekehrt, hat seine Familie nach Italien gebracht und ist in die Politik eingestiegen. Er hat kandidiert, Wahlkampf gemacht, ist Abgeordneter im italienischen Parlament geworden und mittlerweile sogar Vize-Minister in der Regierung. Das heißt aber noch lange nicht, dass er seine Ideen umsetzen kann. Ganz im Gegenteil kämpft er mit der Bürokratie und mit einer — aus seiner Sicht — unprofessionellen Regierung, er hat mit Vorgesetzten zu tun, die ihn nicht arbeiten lassen, er hadert mit einem Politikapparat, der auf neue Ideen überhaupt nicht eingerichtet ist.

Unser Fokus liegt darauf, Katherine und Lorenzo ein Jahr lang zu begleiten. Was passiert denen, die politisch für eine andere Welt kämpfen? Im Februar diesen Jahres haben wir angefangen, bis Februar nächsten Jahres drehen wir.

Natürlich reicht es dabei nicht aus, den Kampf der beiden zu dokumentieren. Wir müssen ihn einbetten in weitere Blickwinkel, die zeigen, dass diese neue Welt möglich ist. Tim Jackson, Professor in England, Beststellerautor des Buches “Wohlstand ohne Wachstum”, kommt ebenso zu Wort wie Sven Prange oder Petra Reski, die uns die komplizierte politische Landschaft in Italien erklären, in der Lorenzo sich behaupten muss. Susanne Horn, derzeit noch Geschäftsführerin der Brauerei Neumarkter Lammsbräu, spricht darüber, warum ein Unternehmen vielleicht sogar besser funktioniert, wenn es nicht wachsen muss. Und junge Volkswirte, die das Wachstums-Mantra aufgrund ihres Studiums anzweifeln, kommen ebenfalls zu Wort.

Wir hoffen, gegen Ende 2019 mit dem Film fertig zu sein. Bis dahin ist noch viel Arbeit. Wir müssen die Dreharbeiten abschließen, den Film schneiden und die Post-Produktion stemmen, wir werden im Frühjahr 2019 vermutlich ein Crowdfunding zu machen versuchen, die Finanzierung der ganzen Sache ist ohnehin noch eine große Aufgabe, und nicht zuletzt müssen wir eine Distribution organisieren und klären, wie wir den Film eigentlich vor ein möglichst großes Publikum bekommen.

Also, es gibt noch sehr viel zu tun, und bei all dem Tun kann man uns auf wellbeingeconomies.film begleiten. Wer mag, kann sich hier direkt für unseren Newsletter anmelden — den werden wir einmal monatlich senden, um einen Überblick über das aktuelle Geschehen zu geben.

(Hinweis: Die gesamte Kommunikation zu dem Film auf der Website ist auf Englisch, weil wir den Film überwiegend auf Englisch drehen und wir uns an ein internationales Publikum wenden.)

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