Monopoly, Macht, Konsumwelt, Hartz IV – sind die verschiedenen „Rollen“ des Geldes Teil des Problems?

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Beim Nachdenken über soziale Ungleichheit, Ungerechtigkeit und über Fragen der Umverteilung durch Steuern, Abgaben sowie Sozial- und andere Leistungen fällt mir auf, dass wir diese Themen auch aus einem anderen Blickwinkel diskutieren können: Ist es eigentlich einerseits gut und andererseits unveränderlich, dass die eine Einheit „Geld“ in unserer Welt mindestens vier sehr verschiedene Zwecke erfüllt?

Ich will die vier Zwecke, für die Geld heute verwendet wird, hier kurz darstellen, mit dem Ziel herauszufinden, ob das überhaupt eine hilfreiche Art ist, über Geld nachzudenken.

Zweck 1: Geld als „Überlebensmittel“
Auf den ersten Blick ist Geld das Tauschmedium, das es uns erlaubt, im Alltag unseren täglichen Bedarf zu decken und unser Überleben zu sichern. Wir können mit Geld sicherstellen, dass wir körperlich überleben, indem wir damit Nahrungsmittel und Unterkunft beschaffen, und dass wir sozial und gesellschaftlich „überleben“, indem wir teilnehmen können am öffentlichen Leben, weil wir ins Kino gehen, ein Museum besuchen, das Internet nutzen, eine Zeitung lesen, oder Freunde im Restaurant treffen können. Alle diese und ähnliche Aktivitäten würde ich fassen unter „lebenswürdiges Leben ermöglichen“. Geld dient hier als „Überlebensmittel“. Der Hartz-IV-Empfänger und die Obdachlose auf der Straße kämpfen damit, dass ihnen von diesem Überlebensmittel nicht genug zur Verfügung steht.

Das ist aber nur ein Aspekt von Geld in unsere heutigen Gesellschaft.

Zweck 2: Geld als „Zugang zu Lebenssinn“
Darüber liegt eine zweite Ebene der Bedeutung von Geld – sie schafft die Grundlage unserer heutigen Konsumgesellschaft. Wenn die menschlichen Grundbedürfnisse gedeckt sind, verwandelt sich der Bedarf nach Geld in die Suche nach Lebenssinn. Wer sich die heutige Werbewelt ansieht und in einer Shopping-Mall spazieren geht, sieht auf einen Blick, dass Geld dringend notwendig ist, um an einem Großteil dessen, was in unserer Gesellschaft als sinnstiftend angesehen wird, teilhaben zu können. Das mag man beklagenswert finden, aber Shopping und Konsum haben letztlich für viele Menschen den Platz der Religion eingenommen. Urlaubsreisen, wertvolle Handies, Kleidung nach aktueller Mode (die sich im Zweiwochenrhythmus ändert), etc., sind alles Dinge, deren Erwerb als sinnstiftend angesehen oder zumindest präsentiert wird. Einkaufsprozesse werden sozial organisiert und sind für viele Menschen Möglichkeiten der Entspannung oder des Träumens von einem guten oder besseren Leben. Das Anstreben des Besitzes von neuen Dingen wird dargestellt als etwas, das dem Leben Sinn und Richtung gibt.

Ich will an dieser Stelle nicht diskutieren, ob das gut oder schlecht ist — aus meiner Sicht handelt es sich hier erstmal schlicht um eine qualitativ andere Facette als die erstgenannte. Und diese Facette müsste nicht notwendigerweise existieren, wenn andere Wege als der Konsum zur Verfügung stünden, die für viele Menschen ähnlich attraktiv Lebenssinn stiften könnten.

In der ehemaligen DDR war aufgrund des wirtschaftlichen und sozialen Systems der Konsum als Instrument zum Stiften von Lebenssinn nicht oder kaum möglich. Das soll nicht heißen, dass das besser war — aber es ist auf jeden Fall denkbar.

Zweck 3: Geld als Machtinstrument
Weiter beginnt Geld ab bestimmten Summen, über die Menschen (oder Gruppen von Menschen, beispielsweise in einem Unternehmen) verfügen können, Machtinstrument zu sein. Die Summen werden so groß, dass man damit weder das eigene Überleben finanziert, noch nach mehr Lebenssinn streben kann. Es gibt Menschen, die diese Macht haben, aber gar nicht oder kaum ausüben wollen. Vor einigen Monaten habe ich von einem Menschen gehört, der aufgrund von Unternehmensverkäufen mehrere hundert Millionen Euro besitzt und damit hadert, nicht mehr zu wissen, was er damit anfangen soll. Eher aus einer Art Verlegenheit hat er unter anderem den teuersten Porsche gekauft, den es zu haben gibt – was dennoch an seinem Vermögen kaum merkbare Spuren hinterlässt. (Andererseits ist ein besonders leistungsstarkes Auto natürlich auch eine Art, physische Macht spürbar zu machen.)

Aber diese Macht kann sich sogar bei Menschen, die es gar nicht unbedingt darauf anlegen, passiv äußern — beispielsweise wenn elegant gekleidete Leute aus einem teuren Auto aussteigend ein Restaurant betreten. Niemand würde meinen, dass sie in diesem Moment dabei sind, Macht auszuüben. Und doch ist es so: Bedienstete springen herbei, parken den Wagen, geleiten die Gäste zu ihrem Tisch, behandeln sie bevorzugt, schenken ihnen mehr Aufmerksamkeit, in der Hoffnung auf reichhaltiges Trinkgeld und wiederholte Besuche. Ein ähnliches Beispiel ist die Macht, die bei plötzlichem großen Reichtum (Lottogewinn, Firmenverkauf) einer Person im Freundes- und Familienkreis spürbar wird – ohne, dass es der nun Mächtige je darauf angelegt hätte.

Die Macht des Geldes über Menschen kann aber natürlich auch eindeutig aktiv und bewusst eingesetzt werden – indem großzügige Spenden gemacht und damit die Aktivität von Menschen, die auf dieses Geld angewiesen sind, in bestimmte Bahnen gelenkt werden; indem Unternehmen finanziert und damit Arbeitsplätze geschaffen werden; indem große Summen an politische Parteien gespendet werden, etc. Völlig eindeutig wird der Machtaspekt des Geldes dann, wenn wohlhabende Menschen oder Unternehmen Stimmen von Abgeordneten kaufen und damit Wahlen beeinflussen, wenn Prostituierte aus ökonomischem Zwang für bestimmte Stunden käuflich werden und tun müssen, was ihre Freier wollen, oder wenn ein reicher Mensch große Ländereien oder gar eine ganze Insel kaufen und damit über das Leben derer, die dort wohnen, bestimmen kann. Mit anderen Worten: man kann heute problemlos Menschen kaufen, auf die eine oder andere Art und Weise, wenn man genug Geld dafür besitzt.

Dass diese Art Macht in keinster Weise demokratisch legitimiert ist, ist ein großes Problem.

Zweck 4: Geld als Spielzeug, als Punktesystem
Dass Leute mit Geld spielen — im Casino, auf der Pferderennbahn, an der Slotmaschine — ist natürlich bestens bekannt. Aber ich will noch eine andere Art des Spielens damit beschreiben: Geld ist schlicht das Punktesystem im globalen Kapitalismusspiel.

In meiner Zeit im Marketing habe ich Menschen kennengelernt, die sich vor allem im Geschäftsleben wohl fühlen, weil sie den Wettbewerbsaspekt des Kapitalismus lieben. Sie befinden sich gern mit anderen im Wettstreit, wollen gewinnen. In der heutigen Wirtschaftswelt kann man seine Lust auf Wettkampf dabei auf ganz unterschiedliche Weisen ausleben. Teilweise geschieht dies mit künstlichen Währungen: Es gibt sehr aktive Online-Foren, in denen sich Business-Vielflieger über die letzten Details und Tricks dazu austauschen, wie man mehr Prämien-Meilen bei dieser oder jener Fluglinie einsammeln kann. Aber der große Kick – das zentrale Maß für den Erfolg im „Spiel Wirtschaft“ – ist immer noch das Geld. Wer die größten Deals nach Hause holt, wer die meiste Kohle einsammelt, der ist Sieger oder Siegerin. Unter anderem natürlich auch, weil er oder sie in der zweiten und dritten der beiden obigen Kategorien punktet: man gewinnt beim Sinnspiel in der Konsumschlacht, bekommt das große Auto, leistet sich das tolle Haus. Und zudem gewinnt man Macht und Einfluss. Aber das steht nicht im Vordergrund – Geld hört hier eigentlich auf, überhaupt relevant für das Kaufen von Dingen oder Menschen zu werden, es ist einfach nur noch das Punktesystem in einem großen Spiel. Denn diese Menschen haben ja üblicherweise 80-Stundenwochen und überhaupt nicht die Zeit, sich noch groß mit Kaufprozessen auseinander zu setzen.

Meine Frage: ist es eigentlich notwendig, dass dieses „Spiel“ mit genau denselben Mitteln ausgetragen wird, die andere zum nackten Überleben brauchen? Wenn ein langjähriger Top-Manager nach einem Meetingmarathon gut gelaunt nach Hause kommt, weil er an dem einen Tag einen großartigen Deal gemacht und damit einen Riesen-Bonus verdient hat, wird dieser Bonus sein Leben nicht verändern, ihn vielleicht nur heute abend und die kommenden zwei Wochen ein wenig erfreuen, weil er im Kapitalismusspiel gepunktet hat. Derweil könnte jemand anders zwei Straßen weiter mit dieser Summe fünf Jahre lang das Überleben seiner ganzen Familie sichern. Und so frage ich mich: müssen wir den „Sport Wirtschaft“ mit denselben Mitteln austragen wie das tägliche Überleben? Sollten wir nicht einen Unterschied machen zwischen „Überleben“ und „Spiel“?

Sind das zwangsläufig verschiedene Facetten von Geld, oder geht es anders?
Natürlich gehen grade der erste und der zweite Aspekt ineinander über, sie sind nicht komplett voneinander abzugrenzen. Der dritte Effekt — Macht — wird nur durch die ersten beiden möglich: bräuchten Menschen Geld weder zum Überleben noch für Lebenssinn, hätte niemand mehr Macht über andere, nur weil er Unsummen besitzt. Der Kapitalismus-Spieler wiederum, der Deals macht, sorgt natürlich auch dafür, dass seine Mitarbeiter (hoffentlich) davon irgendwie profitieren und in Lohn und Brot stehen. Außerdem ist das Spielen mit Geld deswegen attraktiv, weil es Leute von einem finanziell besseren Leben träumen lässt. Trotz all dieser Grauzonen, Abhängigkeiten, und Verbindungen sind die Unterscheidungen aber nicht falsch. Mir erscheint jedenfalls problematisch, dass Geld diese verschiedenen Rollen in unseren Gesellschaften zugleich einnimmt.

Ich hoffe, Antworten auf die Frage zu finden, ob diese Aufteilung (oder sind es noch mehr Facetten?) per se ein Problem ist, das wir lösen müssen. Oder ob Geld halt so ist wie es ist, und wir mit diesen Spannungen leben müssen. Zum aktuellen Stand – grade auch aufgrund meiner Lektüre von Graeber – tendiere ich vorsichtig zu ersterem. In jedem Fall würde ich mich über Kommentare freuen – dazu, ob diese Überlegungen Unsinn sind, oder Denkfehler aufweisen.

An dieser Stelle könnte sich auch eine Debatte zum Grundeinkommen anschließen, die ich hier auf dem Blog noch führen muss. Ich habe aber leider noch keine Texte zum Grundeinkommen gelesen.

(Quelle Animation Keks-essender George Washington: selbst gebaut 😉 )

18 Kommentare

    1. Ja, soweit ich verstanden habe, bist Du Fan der Idee. 😉 Ich bin da noch skeptisch, weil ich fürchte, dass daraus eine krasse Zweiklassengesellschaft entstehen kann. Aber ich habe noch zu wenig Ahnung, bin bisher nicht dazu gekommen, dazu zu lesen.

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  1. Eine interessante Betrachtung. Über diese Punkte habe ich auch schon nachgedacht und habe mich letztlich von der Idee verabschiedet, dass eine Reform des Geldsystems und oder die Einführung eines BGE Probleme grundsätzlich lösen.
    Dabei fiel mir auf, dass ich ein Medium, welches erst gegen Zinsen »geliehen« werden muss, nicht brauche, um zu tauschen. Das macht für mich keinen Sinn. Verdeutlicht wird dies am Beispiel eines Geldes, welches zwischen 1815/19 und 1836 auf der Insel Guernsey Verwendung fand und nicht geliehen und verzinst war. Leider findet man dazu nichts in den offiziellen Geschichtsbüchern. Ich kann mir nicht erklären, warum das so ist. Vielleicht, weil es der heutigen ökonomischen Ideologie widerspricht.
    Die Insel Guernsey war nach den napoleonischen Kriegen in die Krise geraten. Die Inselregierung hatte außer Schuldzetteln (auf der brit. Mutterinsel) nichts in der Kasse. Die Steuern konnte und wollte man nicht weiter erhöhen. Geld zur Zinszahlung bei weiterer Kreditaufnahme war nicht in Sichtweite. Auf der Insel lebte aber eine fleißige Bevölkerung und deshalb fand man eine Lösung, wie man das Leben der Inselgemeinschaft finanzieren konnte, ohne zusätzliche Steuern und Abgaben.
    »Beating the Bankers at their Own Game – the Guernsey Way« – http://guernseydonkey.com/?p=12090
    (Man findet im Netz noch mehr Material – Interesse vorausgesetzt.)
    Falls man an so einem Geld noch ein paar kleine Veränderungen vornimmt, zum Beispiel den Geldumlauf zu unterbinden, wäre man einen großen Schritt weiter bei der Entwicklung einer »gerechteren« Gesellschaft.
    Aber, wenn man nun tatsächlich so ein Thema aus einem anderen Blickwinkel diskutieren möchte, plädiere ich für den humanistischen. Dieser beruht darauf, dass man Menschen nicht kaufen kann. Ich bin wertvoll und unbezahlbar. (Gilt natürlich für alle Menschen auf dem Globus.) Die Unbezahlbarkeit bringt es mit sich, dass man mich auch nicht stundenweise gegen Geld kaufen/mieten kann. Dies steht gegen das »moderne« Arbeitsrecht, welches auf Recht der römischen Sklavenhaltergesellschaft basiert (Stichwort: locatio conductio), in der man Menschenleben anders bewertete. Mit einem humanistischen Ansatz verlässt man endgültig die Lehren der Ökonomie, die auf dem Menschen als Kostenfaktor beruhen. Natürlich willkürlich, weil ein Menschenleben nicht auf wissenschaftlicher Grundlage in einem Geldwert gemessen werden kann.

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    1. Ich habe den verlinkten Text jetzt lesen können — und muss sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin: dort wird ja schlicht nur eine zweite Währung eingeführt? Was ist daran anders als an allem, was in den vergangenen hundert Jahren von Staaten als Inflation gemacht wurde?

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      1. Was anders gemacht wurde als heute, wäre doch zunöchst interessanter. Die Gemeinschaft hat sich bei niemandem verschuldet und konnte ihre Schulden bei den Banken tilgen und hat sich bleibende Werte geschaffen. Mit einem Buchungssatz Kassa an Eigenkapital hat eine Gemeinschaft, welche auch alle Werte schafft, immer genug Geld zur Verfügung ohne sich zu verschulden. Sie könnte alle Projekte bezahlen. Es gibt für die Verschuldung keinen logischen Grund. Die Inflation könnte man unmöglich machen, wenn das Geld der privaten Geldbesitzer bei Bezahlung von Waren und Dienstleistungen vernichtet wird. Damit gäbe es keinen Geldumlauf.
        Ich weiß, dass dies nicht einfach zu verstehen ist, wenn man ökonomisch vorbelastet ist. Trotzdem kann man ja mal in Ruhe darüber nachdenken. Im Gegensatz dazu ist die Ökonomie unter humanistischen Gesichtspunkten denkunmöglich.

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      2. Aber ich verstehe nicht richtig, wie das einfache Erfinden einer andere Währung nichts anderes bedeutet als Inflation, bzw. der Schaffung eines neuen Problems? Was bedeutet „Mit einem Buchungssatz Kassa an Eigenkapital“?

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      3. Die Gemeinschaft ist die Quelle aller geschaffenen Werte. Sie ist Produzent und Konsument. Wenn sie tatsächlich ein Geld benötigt, um Produktion und Konsum abzuwickeln, muss sie sich keines »leihen«. Sie kann es sich selbst erzeugen. Wenn die verantwortliche Stelle Geld schöpft, tut sie es nicht als Schuld, so wie die Geldschöpfung der Geschäftsbanken heute (Forderung an Verbindlichkeiten) funktioniert, sondern als Eigenkapital der Gemeinschaft ohne Schuld und ohne Zinsen. (Der Buchungsatz bezog sich auf die Geldschöpfung.) Braucht die Gemeinschaft Geld für ein Krankenhaus, eine Schule, ein Kraftwerk, eine Bäckerei, sozialen Wohnungsbau, Straßen … erzeugt sie das Geld selbst und wartet nicht auf »Investoren«. Obdachlosigkeit könnte von »heute auf morgen« kein Thema mehr sein. Eine bedingungslose Grundversorgung der Menschen wäre machbar, Geld für den Umweltschutz und damit verbundenen Forschungen wäre vorhanden und so vieles mehr wäre möglich. Alles, was der Gemeinschaft wichtig ist, könnte finanziert werden. (Griechenland ist heute »bewegungsunfähig«, weil man niemanden findet, der investiert. Alle warten auf Geld. Wenn man welches bekommt, nur in Form neuer verzinster Kredite. Man kann sich nicht aus der Schuld leihen. Ebenso wenig wie man sich nüchtern saufen kann.) Das größte Problem der Gemeinschaft liegt tatsächlich darin, die umlaufende Geldmenge zu kontrollieren, um Inflationen und Deflationen zu veremeiden. Wenigstens so lange die Wirtschaft nach Regeln der Ökonomie funktioniert. Auf Guernsey wurde das Geld projektbezogen erzeugt (4000 Pfund für die Markthalle, 5000 Pfund zur Schuldentilgung in England, 10.000 Pfund für eine Schule, 12.000 Pfund für Haussanierungen und Straßenbau usw. – für alles war Geld da. Die Geldmenge war aber wegen der »Übersichtlichkeit« auf 60.000 Pfund begrenzt.) und wieder aus dem Verkehr gezogen und vernichtet. Wie in der Natur: Entstehen und Vergehen. Damit umging man die Inflation.
        Wie man dies macht, muss natürlich gut durchdacht sein. Aber wo ein (politischer) Wille ist, ist auch ein Weg. Auch technisch ist man heute auf einem anderen Stand. (Und wie ich oben schon schrieb, ist der beste Weg, den Geldumlauf zu unterbinden.)
        Guernsey war eben nicht so, wie die anderen Staaten in den vergangenen Jahrhunderten.

        Auf den Blickwinkel kommt es tatsächlich an. Er bestimmt die Problemlösungen. Hat man Kosten im Auge, wird man Lösungen anstreben, welche sich von denen unterscheiden, die man suchen und finden würde, wenn man sich auf den Menschen konzentriert.

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      4. Hallo Carlo, danke Dir erstmal, dass Du Dir so viel Zeit nimmst. Was das Schaffen von Geld betrifft: das tun ja die Zentralbanken, und haben das immer getan. Gerade die Europäische Zentralbank bringt ja derzeit sehr viel Geld in Umlauf (soweit ich das verstehe), nur eben an die falschen Leute: an Banken, die es dann verleihen und damit irgendwie die Wirtschaft ankurbeln sollen. Viel besser wäre es, das Geld für den Konsum frei zu geben. Aber die grundsätzliche Idee, dass das Volk über sein Geld bestimmt, indem es eine Zentralbank hat, die das tut, ist ja nicht neu. Ganz im Gegenteil. Nur halt aktuell in Europa durch den Euro ausgehebelt.

        Wenn Volkswirtschaften aber die Geldherstellungsschraube zu munter drehen, dann verliert das Geld halt an Wert.

        Das bedeutet, das Neue an Deinem Vorschlag ist, dass Geld erzeugt und dann wieder vernichtet werden soll? Denn alle anderen Elemente sind ja bekannt?

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      5. Ich will mich nicht wirklich mit dem Wirken von historischen und modernen Zentralbanken beschäftigen, denn ihr Schaffen unterscheidet sich von dem, was ich vorschlage. Auch sie schöpfen Geld gegen Schuld. Geldversorgung passiert gegen verzinste Staatsanleihen. Aber warum müssen sich Produzenten und Konsumenten Geld von einem Dritten (Unbeteiligten) gegen Zinsen leihen? Was hat eine Bank mit dem Pflügen eines Ackers oder dem Bau eines Hauses zu tun oder damit, wenn sich ein Fischer ein Brot kauft? Nichts. Was haben Bauer, Hausfrau, Krankenschwester, Arzt, Maurer, Fischer und jeder Unternehmer gemeinsam? Sie schaffen Werte (Produkte und Dienstleistungen) für die Gemeinschaft. Geld zu verleihen ist also ein unproduktiver »Fremdkörper« in der Wirtschaft.
        Deshalb halte ich zwei Aspekte für wichtig und Guernsey für interessant:
        1. Gemeinschaftliche Geldschöpfung als Eigenkapital (damit könnte die Gemeinschaft alles finanzieren, was sie für wichtig hält)
        2. Vernichtung des Geldes [als Aufwand] (das ist ein Thema für sich, weil es ganz unterschiedliche Wege gibt)
        Natürlich ist dies unverständlich, wenn man nicht die Prämissen der Wirtschaft ändert. Die Ökonomie geht von der Gewinnmaximierung aus und nicht von der Bedarfsdeckung. Nach ihrer »Theorie« kann nur ein knappes Gut ein Wirtschaftsgut sein. Setzt man dagegen auf bestmögliche Lebensqualität aller Menschen und Überwindung von Knappheit, braucht man ein anderes Geldsystem (oder besser Bewertungssystem.) Die Gemeinschaft muss sich entscheiden, was sie möchte.

        Das Geld ist nur eine gesellschaftliche Stellschraube. Zugegeben, eine mächtige. Es ist aber nicht das eigentliche Problem. Daher nützt alles Drehen am Geld nichts, wenn die Gemeinschaft keine Antwort auf die Frage findet:
        Was kostet eine Stunde menschliche Lebenszeit? Hier sitzt meiner Meinung nach der Schwerpunkt für die gesellschaftliche Entwicklung.
        Wieder eine andere Facette.

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  2. Was mir beim Lesen meines Textes auffiel ist, dass die »Geldvernichtung« eigentlich nichts Neues ist. Wenn man genau schaut, erlebt man es täglich. Die Geschäftsbanken schöpfen Geld durch eine Bilanzverlängerung bei der Kreditvergabe und vernichten es durch eine Bilanzkürzung bei der Kredittilgung. Es ist also eine rein buchungstechnische Angelegenheit. Mit unterschiedlichen Buchungssätzen kommt man zu völlig anderen Ergebnissen. In einer Gesellschaft wo angeblich das Volk das Sagen hat, sollte dieses auch die Gesetze so ändern können, dass sie sich zum Wohl der Gemeinschaft auswirken. Man könnte mit ein paar Gesetzesänderungen, die Gesellschaft komplett transformieren und die meisten Menschen würden zunächst nicht einmal mitbekommen, dass sich etwas geändert hat. Stattdessen begnügen sich die politischen Parteien mit sinnlosen Flickschustereien.

    Ein interessantes »Geld«-Pojekt ist mir noch eingefallen. Ecosimia. Ein reines Plussummenspiel, weil die Indianer Equadors einfach nicht mit Schulden leben wollten und sie den Begriff nicht einmal verstanden. 😉

    Es gibt immer Alternativen, die man sogar völlig friedlich umsetzen könnte. Man muss nur wollen.

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    1. Ich lese grade den IMF-Text „The Chicago Plan Revisited, by Jaromir Benes and Michael Kumhof“, der das sogenannte Vollgeld vorschlägt. Darin steht unter anderem:

      „In this context it is critical to realize that the stock of reserves, or money, newly issued by the government is not a debt of the government. The reason is that fiat money is not redeemable, in that holders of money cannot claim repayment in something other than money. Money is therefore properly treated as government equity rather than government debt, which is exactly how treasury coin is currently treated under U.S. accounting conventions (Federal Accounting Standards Advisory Board (2012)).“

      Mit anderen Worten stimmt es nicht, dass Geld, das von der Zentralbank kommt, notwendigerweise Schulden des Staates bedeutet?

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      1. Da steht aber, wenn die Regierung Geld heraus gibt. Dann ist das Geld staatliches Eigenkapital. Das ist mein Vorschlag: Buchung ins Eigenkapital. So passiert es eigentlich bei Münzen. Münzen sind normalerweise Staatsgeld. (Obama spielte mit dem Gedanken eine 1-Trillion-Münze zu Schuldentilgung herauszugeben – https://en.wikipedia.org/wiki/Trillion_dollar_coin ) Aber das sind Peanuts im Vergleich zum Rest.
        In der EU dürfen die Zentralbanken die Staaten gar nicht direkt mit Geld versorgen und die Fed ist weder Staat noch Regierung. Ich denke, Stephen Zarlenga »Der Mythos vom Geld ….« und Edward Griffin »Die Kreatur von Jekyll Island« sind gute Leseempfehlungen zu dem Thema.
        Außerdem gibt es eine sehr gute Doku von Bill Still auf youtube. Das Geheimnis von Oz https://www.youtube.com/watch?v=ZwnQmpP1q2I
        Und wie schon geschrieben: Geld ist nicht das eigentliche Problem. Egal welches Geld man verwendet, bleibt die Frage: Was ist der Preis für eine Stunde meschliche Lebenszeit/Gesundheit/Energie/Wissen und Knowhow …
        Ich muss jetzt noch ein wenig etwas tun. Viele Grüße Carlo

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