Das Große Unbehagen.

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Überall kann man lesen und hören, dass Menschen derzeit ein ungutes Gefühl haben — zum Stand der Dinge in Politik und Gesellschaft, in Deutschland und in der Welt. Bei manchen äußert sich dieses Unbehagen in radikaler Protesthaltung und Unterstützung für extreme Parteien. Bei anderen in leise geäußerten Zweifeln unter Freunden beim Abendessen. Spätestens seit Donald Trump in den USA die Mehrheit der Wahlleute auf sich vereinen konnte und damit klar scheint, dass er im Januar 2017 der nächste Präsident der Vereinigen Staaten wird, ist für viele deutlich geworden, dass die Verwerfungen ein neues Ausmaß angenommen haben.

Ich habe mich allzu lange von der Politik eher fern gehalten. Ich stamme zwar aus einer politischen Familie — mein Vater war sehr aktiv in der Politik und in den siebziger Jahren auch Mitglied des deutschen Bundestages, und mein Onkel hat ein bisweilen beeindruckendes, bisweilen sonderbares öffentliches politisches Leben geführt –, außerdem habe ich vor fünf Jahren an der Gründung des digitalpolitischen Vereins D64 mitgewirkt. Aber eigentlich war ich all die Jahre in meinem Verhalten viel zu unpolitisch. Begründet habe ich das vor mir selbst und vor anderen mit meinem anspruchsvollen Job und dem Umstand, dass mir schlicht die Konzentration und die Zeit fehlen, um mich in schwierige politische Themen einzuarbeiten. Und wenn ich mal gemeint habe, eine Sache doch irgendwie kommentieren zu müssen, habe ich das höchstens als schlecht informierter Laie und mit Halbwissen auf meinem Blog getan.

Seit Anfang März 2016 arbeite ich aber nicht mehr im Marketing, und habe mir eine Auszeit genommen. Damit ist die Entschuldigung „politisches Engagement geht nicht wegen meines Jobs“ weggefallen. Ich habe seit März eine Weile gebraucht, um mir über meine künftige Richtung klar zu werden. Eigentlich hatte ich vorgehabt, politische Themen und Beobachtungen in Form von Animationsfilmen zu verpacken und so einen künstlerischen Ansatz zu finden, um mich mit wichtigen Fragen unserer Zeit öffentlich auseinander zu setzen.

Aber spätestens die Wahl von Donald Trump hat der Idee den Boden unter den Füßen weggezogen. Der Plan, von der Zeichenstube aus die Dinge in der Welt zu kommentieren, reicht mir nicht mehr. Ich habe das Gefühl, einen Beitrag leisten zu müssen, der darüber hinaus geht. Und die Bundestagswahl im Jahr 2017 verschafft diesem Bedürfnis eine zusätzliche Dringlichkeit.

Nach einigem Nachdenken und Gesprächen mit Freunden bin ich zum Entschluss gekommen, heute wieder genau das Gleiche zu tun, was ich zwischen 2005 und 2011 schon einmal getan habe. Damals habe ich mich zunächst auf einem Blog und später dann zusätzlich auch in öffentlichen Vorträgen mit einem Thema auseinander gesetzt, das ich verstehen und beherrschen wollte. Das Thema war damals „Word-of-Mouth Marketing“, das Blog hieß ConnectedMarketing. Außerdem habe ich in der Folge jahrelang unzählige Vorträge in ganz Deutschland und Europa zu diesem Thema gehalten.

Als ich anfing, war ich kein Experte für das Thema Mundpropaganda. Aber ich habe mir dann mein Expertentum erarbeitet — durch viel Lesen, viel Schreiben und öffentliche Auseinandersetzung mit meinem Unwissen, später dann durch eine wissenschaftliche Arbeit, sowie natürlich durch die Arbeit an der Praxis des Themas.

Ab heute ist mein Thema ein neues: Das Große Unbehagen. Meinem Eindruck nach entspringt es vor allem einer stetig wachsenden sozialen Ungleichheit in vielen Teilen Europas, den wirtschaftlichen Problemen innerhalb und außerhalb der Europäischen Union, den nicht enden wollenden Krisen, der Sorge um unendliches Wachstum auf einer endlichen Erde, und der Frage danach, ob politische Entscheidungen eigentlich heute noch Rücksicht auf die Menschen nehmen, die im Alltag von ihnen betroffen sind. Oder ob diese Entscheidungen nicht allzu häufig eher für „die Märkte“ getroffen werden — was immer gerade damit gemeint ist. Und alles vereint, dass es keinerlei großen Ideen mehr zu geben scheint — dazu, wie eigentlich eine bessere Zukunft aussehen könnte.

Wiederum bin ich kein Experte, für keine dieser Fragen. Im Gegenteil — ich weiß eigentlich viel zu wenig. Dabei bin ich doch Bürger einer Demokratie, der diese Dinge wenigstens ein wenig verstehen sollte. Deswegen werde ich jetzt daran arbeiten, und zwar öffentlich.

Diese öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema will ich in zwei Phasen betreiben:

  • „Kaffee & Kapital“ – dieses Blog: Es soll mein erster öffentlicher Ort für’s Lesen, Nachdenken, Diskutieren sein. Genau wie ConnectedMarketing damals. Ich habe vor, in den kommenden Wochen bis zum Frühjahr so viele Bücher und Texte zum Thema Marktwirtschaft, soziale Gerechtigkeit, Keynes vs. Hayek, Finanzwelt und Demokratie zu lesen, wie ich kann. Und ich möchte jeden dieser Texte hier im Blog diskutieren und zusammenführen — als der Laie, der ich bin. Und als ein Laie, der hofft, auf schreibendem Weg zu einem besseren Verständnis zu kommen, und vielleicht auch anderen zu einem besseren Verständnis zu verhelfen. Denn kaum sonst jemand hat die freie Zeit, die ich habe, um sich mit diesen Themen zu befassen. Die meisten Menschen brauchen ja 98% ihrer Aufmerksamkeit für Familie und Arbeit. Und das ist auch in Ordnung — in einer repräsentativen Demokratie, in der politische Profis gewählt von uns allen und stellvertretend für uns alle das Nachdenken über komplexe politische Fragen übernehmen sollen. Aber wenn es in der Demokratie mit einem Mal rumpelt, bedeutet es auch, dass die meisten Menschen deswegen nicht automatisch die Zeit finden, sich ganz plötzlich mehr Gedanken über derart schwierige Themen zu machen. Ich dagegen habe weder Familie noch Job, dafür durch meine Auszeit aktuell eine gewisse Unabhängigkeit. Das gibt mir die Möglichkeit, mein Nachdenken öffentlich und als eine Art „Dienst“ auch für andere übernehmen zu können, die eingespannter sind als ich. Und weil ich dafür viel in Cafés sitzen und über die Verwendung von Kapital und seine Rolle und Wirkung auf Menschen, Institutionen, Länder, die Welt lesen und nachdenken werde, ist der Name vielleicht passend.
  • Vorträge: Nach dem Blog als virtuellem öffentlichen Ort möchte ich in einem zweiten Schritt an reale öffentliche Orte gehen. Weil ich glaube, dass eine konstruktive politische Diskussion vor allem im echten Austausch mit Menschen grade auch abseits des Internets notwenig ist, will ich im Sommer 2017 versuchen, mit meinen bis dahin gefassten Gedanken und Vorstellungen in Deutschland herumzureisen, um überall dort, wo 20 Leute oder mehr zusammenkommen wollen, in einer gemeinsamen öffentlichen Veranstaltung meine Gedanken zu präsentieren und dann gemeinsam zu diskutieren. In der Hoffnung, dass ich damit einen Beitrag zur Bundestagswahl leisten kann — in welche Richtung auch immer dieser Beitrag dann weist. Und darüber hinaus wieder politische Ideen entstehen, die Lust machen.

Natürlich drängt die Zeit. Und mancher möchte meinen, dass das beschauliche Studium von Büchern in der aktuellen brenzligen Situation vielleicht nicht der richtige Weg ist. Aber bislang verstehe ich ja eigentlich nicht einmal, welche politischen Ziele ich wirklich anstrebenswert finde. Und ich bin es leid, mich ahnungslos zu fühlen. Ich bin zwar SPD-Mitglied, aber ich kann oft nur schwer einschätzen, ob die SPD heute noch — mit ihren Haltungen und Forderungen und mit ihrem Führungspersonal — die Partei ist, die zu mir und meinen Vorstellungen passt. Zugleich war ich auch Unternehmer, bin es im Geiste wohl noch heute, und dadurch ebenfalls geprägt. Aber insgesamt fällt mir schwer, genau jetzt mit Nachdruck einfach irgendein politisches Engagement zu zeigen — womöglich weil ich Angst vor extremistischen Parteien habe, oder weil ich denke, dass halt irgendwas getan werden muss. Vielmehr muss ich mich jetzt erst einmal tiefer in die Hintergründe unserer aktuellen Situation hineinarbeiten. Und dabei in jede Richtung denken und mir keine Schlussfolgerung verbieten.

Das ist der Stand meines Denkens heute, Ende November 2016. Das ist mein Plan, meine Zeit mit öffentlicher Arbeit für unsere Demokratie und für Europa zu nutzen. Es ist nicht viel, aber es ist mein Anfang. Und ich hoffe, dass sich Leserinnen und Leser finden, die sich an diesem Projekt durch ihr Kommentieren, Verbreiten, Widersprechen, Ergänzen, Unterstützen beteiligen wollen. Damit wir gemeinsam lernen, wie wir endlich wieder umschalten können — vom Großen Unbehagen auf eine Große Lust auf die Zukunft.

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Nachtrag 01.03.2017: So hat sich das Projekt in drei Monaten entwickelt.

42 comments

  1. Sie sind ein entschlossener und mutiger Mann, von Ihrer Sorte braucht man mehr. Jetzt da sie „unabhängig agieren können, Zeit dafür haben, wollen Sie tiefer eindringen, was zur Zeit alle bewegt: Wieso lugt der Faschismus wieder durch die Fenster? Mein Grundverständnis als 70jähriger von Demokratie rührt aus den „Kalter-Krieg-Zeit“ her. Damals in den späten Fünfizigern und frühen sechzigern wurde man in der Schule quasi per Spiel und Wettbewerben auf Demokratie getrimmt, allerdings auf ein Feindbild im Osten, also den Kommunismus. Damit habe ich Jahrzehnte gut leben können. Als dann die Wende kam, hoffte ich innständig, dass nun alles besser werde, da die Unfreiheit der Kollektivstaaten, die in ihrem Inneren faschistischer sind als die alten Rechtsdikaturen, beendet wäre. Fehlanzeige, nach der ersten Vereinigungseuphorie hob der Glatzkopf sein Haupt im Osten, dann auch im Westen. Jetzt ist die Suppe bunter auf der rechten Seite, aber ebenso eklig. Die Linken sind träumende Altkommunisten, eher eine überflüssige Spezies, die nicht in der Lage ist, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und neu anzufangen.
    Die seit 1990 nachwachsenden Wähler habe im Osten keinerlei freiheitlich-demokratische Werte erfahren können und sie auch nicht erworben. Da war erst die alte Dikatur-SED schuld, und dann aber unsere Politklasse in Bonn, die nicht einmal heute wahr haben will, dass mangelnde Bildung in demokratischen Dingen zu der dumpfen Pegida-Katastrophe mit dräuendem Rechtsruck geführt hat. Die satten Westpolitiker haben sich nicht mals anstrengen wollen, die Werte unserer demokratischen Grundordnung zu vermitteln, denn von alleine gehen die nicht in die Köpfe von Menschen, die gewohnt waren, alles vorgekaut zu bekommen. Dennoch konnten diese sehr gut in Diskussionen bestehen, waren also nicht wirklich blöde, sondern nur vom Schicksal benachteiligt. Jetzt gilt es jedenfalls die jetzige Schülergeneration von Klein auf auszubilden, aufzuklären und in demokratischem Verhalten zu unterstützen. Zivilcourage, Toleranz, Diskussionsfähigkeit, Zugestehen von Andersartigkeit, Menschenrechte für wirklich alle, usw. , das sind die Dinge die in die noch bildbaren Köpfe müssen. – Und da erhoffe ich mir von Ihnen, lieber Blogger, noch viel Engagement bei Vorträgen in Bildungseinrichtungen allerorten, also Ost und West.

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    1. Lieber Bernd,

      hier schreibt eine junge Frau der „seit 1990 nachwachsenden Wähler“ im Osten (Leipzig, um genau zu sein). Ich fühle mich persönlich hochgradig beleidigt durch Ihre Einschätzung, dass ich „keinerlei freiheitlich-demokratische Werte erfahren können und sie auch nicht erworben“ habe. Das ist ausgemachter Blödsinn und ich kann nicht verstehen, wie Sie zu dieser massiven Fehleinschätzung kommen. Ich habe ein staatliches Gymnasium besucht und habe dort in 8 Jahren Ethik, Geschichte und Gemeinschaftskunde sehr wohl freiheitlich-demokratische Werte gezeigt und gelernt bekommen, ich habe das offene Denken gelernt und das Diskutieren. Danach habe ich im bösen Osten (ebenfalls Leipzig) noch meinen Master in Geschichte erworben und siehe da – auch dort spielt das Thema Demokratie eine riesige Rolle, man setzt sich quasi ständig damit auseinander. Ich hoffe ich konnte Ihre Einschätzung zumindest ein wenig widerlegen, da sie meiner Ansicht nach nur von alten Ressentiment gespeist wird.

      Beste Grüße
      Sissi K.

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  2. Lieber Martin,

    zunächst: Viel Erfolg bei diesem Projekt! Ich finde toll und notwendig, was Du hier planst!

    Außerdem musste ich ein bisschen schmunzeln. Deine Gedanken sind für mich bestens nachvollziehbar. Nicht nur hat sich mein Schreiben in letzter Zeit immer wieder politischen Themen zugewandt, auch habe ich gerade diese Woche angefangen unsere Parteien en detail zu studieren. Ich würde mich zwar als Kritiker von repräsentativen Demokratien in ihren aktuellen Formen bezeichnen, glaube allerdings, dass Veränderung nur durch Partizipation möglich ist. Eingedenk der aktuellen politischen Weltlage – und ein wenig inspiriert von Nico Lummas Talk auf der 48forward – scheint mir daher ein verstärktes politisches Engagement vor unserer Bundestagswahl unausweichlich.

    Kurzum: Wenn wir die Politik denen überlassen, die entweder den Status-quo bewahren wollen oder deren Rezepte rückwärtsgewandt und bestenfalls reaktionär sind, müssen wir uns nicht über eine Politik wundern, die vom Fortschritt (bzw. weniger positiv konnotiert: den Veränderungen) unserer Welt zunehmend abgehängt wird.

    Wenn wir die Zeit finden, würde ich mich über einen persönlichen Austausch freuen!

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  3. Klingt nach einem guten Projekt – Ihr Eingangstext fasst sehr gut zusammen, was wohl viele kluge und nachdenkliche Zeitgenossen denken. Der Punkt ist, dass diese Zeitgenossen schweigen und es höchste Zeit wird, den momentan vorherrschenden Lautsprechern etwas entgegenzusetzen. Nicht laut und ‚postfaktisch‘, sondern fundiert und sachlich. Viel Glück dabei, ich werde den Fortschritt verfolgen, Anteil nehmen und mich gerne äußern!

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    1. Ganz herzlichen Dank für die freundlichen Worte — wenn es so wäre, dass mein Text die Gedanken vieler widerspiegelt, wäre das eine Supersache. Und über weitere Anteilnahme und Beteiligung würde ich mich sehr freuen, das ist ja die Idee hinter der Sache!

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  4. Allein schon „das große Unbehagen“ trifft es auf den Punkt! Schön, dass Du ein Projekt speziell zu diesem Thema startest, das derzeit viele umtreibt – zu Recht, denn die Welt scheint tatsächlich ziemlich aus den Fugen. Ich blogge in meinem Hauptblog Digital Diary seit 1999 auch viel Politisches, derzeit kann man das „Unbehagen“ in Gestalt ziemlich deprimierter Kurzposts und Kommentare geradezu mit Händen greifen!

    Ein Aspekt dieser Stimmung ist allerdings auch der Eindruck, dass Lesen, sich informieren, diskutieren – und auch protestieren, Stellung beziehen – nichts ändert. Es gibt ja unzählige tief schürfende Analysen des Geschehens, gerade in den letzte zwei Jahren und nochmal verstärkt seit der Trump-Wahl. Auch das Thema Schuldenfalle, Austerität, Finanzkrise ist weidlich aus allen Richtungen besprochen – aber was hilfts?

    Mir scheint, die Dinge sind am Ende zwar komplex, aber in gewisser Weise auch einfach: Die Politik ist weitgehend entmachtet, „die Märkte“ und globalisierten Konzerne haben das Sagen, die Schere zwischen jenen, denen es noch gut geht und den Anderen geht immer weiter auseinander. Dazu kommen krasse Veränderungen in der Arbeitswelt, die tief ins je eigene Leben eingreifen und bei vielen nicht als Verbesserung ankommen, vorsichtig gesagt – sondern als extremer Stress, Marginalisierung, Verlust gewohnter Sicherheiten. Und eine machtlose Linke (damit meine ich nicht nur die gleichnamige Partei), die sich mangels echter Alternativen vornehmlich um Interessen kleiner Minderheiten kümmert (was wichtig ist, aber nicht reicht).

    Ich freu mich trotzdem über ein neues Medium und einen Menschen, der die persönliche Freiheit dazu nutzt, in diese Themen einzudringen und eine Plattform für die Diskussion bieten will!
    Gutes Gelingen – ich nehme das „große Unbehagen“ in meine Blogroll „Weltgeschehen“ auf.

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    1. Claudia, danke für den Kommentar. Ich bin einverstanden, das Lesen reicht nicht aus, ganz im Gegenteil. Aber ich muss damit anfangen, weil ich mich ansonsten bei jedem politischen Engagement nicht wohl fühle, denn wenn ich keine rechte Ahnung habe, kann ich ja auch nicht nützlich wirken. Wie das „Wirken“ dann funktionieren soll, müssen wir als nächstes sehen. Danke für die Aufnahme in die Blogroll und ich freue mich auf weiteren Austausch!

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  5. Hier ein paar Daten zum „Unbehagen“ weltweit. Es bezieht sich je nach Land auf unterschiedliche Themen:
    http://www.evernote.com/l/AVggxhnp_wRDa5LkrpDDDA9TSlbRgvGIj6Y/
    Da „Unbehagen“ ein Gefühl ist ähnlich wie schlechte Laune, müsste man wahrscheinlich auch aufpassen, bei den Erklärungen nicht gleich das zu glauben, was die Menschen sagen, was der Grund wäre. Dazu könnte auch Kahneman wichtig sein („Langsames Denken, schnelles Denken“). Es ist durchaus möglich, dass „Ungleichheit“ derzeit die beliebteste Rationalisierung für Missmut ist, weil sie sich relativ gut mit Zahlen belegen lässt und der Finger auch schon auf Schuldige zeigt. Aber was hat es mit meiner sozialen oder familiären Lage effektiv zu tun, wenn Zuckerbergs Facebook-Anteile 45 Milliarden Dollar wert sind? Oder wenn die Aldi-Erben furchtbar reich sind?

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    1. Hallo Fritz, ja, genau das sind Fragen, die mich beschäftigen werden. Ich glaube beispielsweise auch, dass aktuell Ungleichheit allein nicht Grund für das Problem ist. Eher: Ungleichheit gekoppelt mit fehlendem politischen Gestaltungswillen oder fehlender Gestaltungsmotivation. Aber wie schon geschrieben, dazu muss ich mir noch mehr erarbeiten.

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  6. Danke Dir für dieses Engagement – wie gerne hätte ich auch die Zeit (und die finanziellen Mittel), um genau das zu tun was Du tust.
    Mein persönliches „Unbehagen“ ist schlicht, dass ich Angst habe, dass dieses freie und gute Leben was ich führe, verloren geht. Diese Angst wird mit jeder Woche stärker in denen ich unzählige Artikel und Nachrichten höre, die im Grunde zeigen, dass es quasi weltweit einen Rechtsruck gibt. Überall scheinen die Leute freie und demokratische Wahlen, Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit nicht mehr schätzen zu können. Ich möchte meiner Tochter keine Welt überlassen, in der Minderheiten gegeneinander ausgespielt werden und Freiheit im Denken und Leben ein Schimpfwort ist.
    Ich habe mir die letzten Wochen und Monate ebenfalls den Kopf zerbrochen und hatte das Gefühl, wenn ich die Debatte verfolgte, dass an dem Kernproblem vorbei diskutiert wird. Es mag sehr einfach klingen, aber meine Überzeugung wächst immer mehr, mit jedem Tag den ich die aktuellen Debatten verfolge. Das Problem der westlichen Demokratien ist meiner Meinung nach das schlicht überbordene Maß an Heuchelei – und mir ist sehr wichtig, dass das nicht, wie 95% aller Kommentatoren gerne so machen, auf die sog. Eliten bezogen wird, sondern auf jeden Einzelnen von uns – inklusive mir. Was ich damit meine? Ja ich meine solche Sachen wie den VW-Skandal, die steigenden Waffenexporte aus Deutschland, um nur zwei winzige Beispiele zu nennen, aber eben auch, dass ein jeder von uns sich doch wieder das neueste iPhone holt, obwohl jeder weiß, unter welchen Bedingungen es hergestellt wird und das Apple in Europa weit unter 5% Steuern zahlt (ich z.B.). Jeder weiß das ein neuer SUV, der 2,5 Tonnen wiegt und voller Technik ist, eben doch wieder 10 Liter Sprit frisst, jede Eigentumswohnung, die man als junge Familie in Neukölln/Kreuzberg kauft, muss Mieter davor verdrängt haben (und sorgt für die Erhöhung der Mieten drum herum), usw. usf. – die Liste kann jeder für sich endlos weiterführen – diese Art der Heuchelei, über moralische, ethische und ökonomische Werte zu sprechen und zu urteilen und sie dabei jeden Tag in seiner Welt zu missachten, aber das allen anderen vorzuwerfen, hat ein Ausmaß angenommen, dass offensichtlich immer mehr Menschen nicht mehr ertragen – dazu zähle ich auch mich.
    Und ich werde wütend, wenn diese Entwicklung immer als alternativlos hingestellt wird, wenn gesagt wird, es gäbe keine Visionen mehr. Warum kann man nicht endlich offiziell zugeben, dass die Idee des Neoliberalismus gescheitert ist, dass der Kapitalismus ganz offensichtlich weder für Mensch noch Erde auf Dauer gut ist. Jedenfalls nicht in seiner enfesselten Form, die seit 1989 oerverse Züge angenommen hat.
    Was ist mit der Vision, es einfach in seinem kleinen Aktionsradius besser zu machen? Eben nicht das neue iPhone kaufen, z.B. endlich das Konto bei der Deutschen Bank aufzulösen und zu einer ethisch vertretbaren Bank wechseln, eben nicht den nächsten Billigflieger zu nehmen, nur weil es möglich ist usw. usf. – wir alle wissen sehr genau was bei uns persönlich schief geht, auch was auf der Arbeit schief geht, wo wir nicht genau hinsehen, es nicht genau wissen wollen, verdrängen und schlicht keine Verantwortung übernehmen. Warum sollte das bei einem Vorstandsvorsitzenden mit 10 Millionen Jahresgehalt anders sein? Oder bei einem Politiker? Die Maßstäbe und die Auswirkungen der dort gemachten Heucheleien mögen sicher andere sein, aber fragen wir uns ehrlich: würden wir in einer vergleichbaren Position besser handeln?
    Es gibt linke Visionen, sie wurden schlicht noch nie ernsthaft umgesetzt – allein die schlichte Verteilungsgerechtigkeit und dabei meine ich nicht nur das Einkommensgefälle zwischen einem Manager und dem kleinen Arbeiter am Band, damit meine ich auch die Verteilung zwischen erster, zweiter und dritter Welt. Wir können die Globalisierung nicht zurück drehen, wir müssen endlich lernen, damit umzugehen. Ja vielleicht wird das auch heißen, dass wir alle abgeben müssen: keine Eigentumswohnung, kein 2. Auto, kein Kurzurlaub in der nächsten hippen Metropole, aber dafür Freiheit, Sicherheit und eine Zukunft für unsere Kinder – zählt das nicht mehr?
    Das Tolle ist und dafür muss ich Dir noch mal danken – Dein Blog und Dein erster Artikel haben dazu geführt, dass ich endlich auch etwas tue und wenn’s jetzt erstmal nur dieser Kommentar ist, aber es ist ein Anfang!
    Ich will kämpfen dafür, dass jeder Mensch, unabhängig von Religion, Hautfarbe, sexueller Orientierung und sozialer Stellung, seinen Platz in der Gesellschaft findet, denn wir sind uns doch am Ende ähnlicher als wir alle denken: wir alle wollen geliebt, respektiert und schlicht wahrgenommen werden, wir wollen in Frieden leben, unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft geben – einfach leben.
    Danke!

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    1. Toby, es klingt so, als seien wir Brüder im Geiste. Das sind genau die Fragen (überwiegend wortwörtlich!), die sich mir auch aufdrängen. Ich will nur mehr wissen, bevor ich behaupte, das sei der Grund für alles. Aber wenn wir so, wie Du grade argumentierst, gemeinsam reden, öffentlich, mit vielen, dann ist das der Weg hin zu einer Änderung!

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    2. @tobystecker: wie recht du hast! Aber die Lösung bzw. wesentliche Veränderung wird nicht darin bestehen, dass wir uns alle am Riemen reissen, um mehr als bisher im Alltag den eigenen Werten zu entsprechen und weniger heuchlerisch zu agieren. Es fehlt ja seit Jahrzehnten nicht an Apellen und Ermunterungen, genau DAS zu tun. Und vermutlich hat jede und jeder im eigenen Leben schon Phasen echten Bemühens erlebt, dann aber auch wieder Phasen der Erschlaffung. Schließlich ist vieles ein Allmende-Problem: Sinnvolles Verhalten zu Gunsten des allgemeinen Interesses führt nur dann zu echten Erfolgen, wenn es viele tun. Geschieht das nicht, hat man nur ganz alleine in der eigenen Lebensqualität gefühlte Defizite – ohne dass es wirklich was bringt. Und dann kommt halt der Gedanke auf: „Unterm Strich zähl ich“ – einer der abstoßendsten Slogans, den je jemand zu Werbezwecken genutzt hat. Aber er trifft einen Punkt.
      Anders läuft das in der Regel, wenn sich Menschen als Teil einer Bewegung erleben, also mit dem jeweiligen Minus ein Plus an Gemeinschafts- und Sinnerleben einher geht. Da die gesamte kapitalistische Moderne aber darauf ausgelegt ist, uns immer mehr zu vereinzeln, sieht es damit schlecht aus.

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  7. Lieber Martin,

    Zunächst einmal möchte ich dir danken. Dafür, dass du dir die Zeit nimmst, die ich nicht habe. Oder nicht meine zu haben. Wir sprachen erst vor wenigen Tagen über dieses Unbehagen miteinander, lustigerweise in einem Café. Insofern scheint dein Titel zu verfangen. Früher einmal waren solche Orte, auch die Kneipen mit ihren Stammtischen, die Plattformen für Debatten und Diskurs. Heute sitzen wir (so wie ich gerade) vor Bildschirmen, liken, wischen weg, scrollen weiter. Der dezentrale und teils anonyme Meinungsaustausch übers Netz – ist er Segen oder Fluch? Würde mich freuen, wenn das bei deiner Recherche auch thematisiert werden würde. Verfolge ich den Gedanken weiter, so stelle ich fest, das ich früher, im Alter zwischen 16 und 22 Jahren, sehr häufig politische Demonstrationen besucht habe. Die wöchentliche Montagsdemo gegen den Irak-Krieg etwa – sie war Pflichtprogramm über Monate hinweg, selbst in meiner vergleichsweise kleinen brandenburgischen Heimatstadt. Ganz ohne Mobilisierung via Facebook und Co trafen sich dort jede Woche hunderte Menschen und gingen gemeinsam auf die Straße. Mit einer anderen Bewegung dieser Art haben wir im Norden Brandenburgs sogar einen Truppenübungsplatz der Bundeswehr verhindert. „Freie Heide“ hieß der Schlachtruf. Jedes Jahr fand dort in der Pampa der größte Ostermarsch der Republik statt. Aber heute? Surfe ich dreimal am Tag Spiegel Online an, schüttle angesichts jeder zweiten Meldung zu AfD, Trump und Co. nur noch mit dem Kopf – und scrolle dann weiter. Ich mache mir meine Gedanken, entwickle Unbehagen, teils Ohnmacht. Aber ich werde nicht oder nur selten aktiv. Klar kann ich mich mit zwei Kindern und meiner Firma rausreden. Aber wie lange noch? Nun, bevor ich mich jetzt final verzettele, bin ich gespannt auf deine Gedanken und vielleicht sogar Antworten. Vielleicht hilft dein Angang dabei, auch Menschen wie mich wieder zu mobilisieren. Immerhin ist allein dieser Kommentar hier der erste, mit dem ich auch mein persönliches Unbehagen öffentlich dokumentiere – ein Anfang.

    Mit herzlichem Gruß, Peter

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    1. Lieber Peter, danke Dir sehr für Deine Worte. Ich glaube, es geht unglaublich vielen so. Und ich habe nur das Glück, ein wenig mehr freie Zeit als andere zu haben. Und mit der Verantwortung möchte ich hiermit anders umgehen. Aber am Ende müssen viele aufhören, nur zu swipen und mehr machen. Mal gucken, wie uns das allen gemeinsam gelingen kann. Freue mich, dass Du mit dabei bist! 🙂

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    2. @Peter: „Der dezentrale und teils anonyme Meinungsaustausch übers Netz – ist er Segen oder Fluch?“ Klar, dazu kann man sich eine Meinung bilden, womöglich darüber streiten (oder wie einst Schirrmacher darüber Bücher schreiben) – aber wohin führt das? Für mich ist das ein Beispiel ECHTER Alternativlosigkeit: die Zeit und die technischen Entwicklungen werden wir nicht zurück drehen! Maximal können wir uns abwenden – dann machen halt andere das Spiel und wir werden unwirksam.

      Immerhin hat Martin ja vor, durch die Lande zu reisen und in Gruppen zu diskutieren – das althergebrachte „analoge“ Miteinander kann ja auch unter den neuen Bedingungen veranstaltet werden. Man muss es nur tun! Ich freu mich schon auf den Berlin-Event… 🙂

      Und ernsthaft: die REICHWEITE der Kneipen- und Caféhaus-Gespräche war doch sehr begrenzt. Dagegen leben wir heut im kommunikativen Schlaraffenland!

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      1. Ich glaube, dass das analoge Miteinander-Reden trotz seiner Begrenztheit andere große Vorteile hat: es ist intensiver, tiefschürfender, nachdrücklicher. Und kann damit durch seine größere Wirkung auch mehr Power entfalten. Man sollte es nicht unterschätzen.

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      2. Mach ich ja nicht. Es brechen auch weniger unechte Dissense aus, weil man viel mehr Input auf mehreren Ebenen bekommt und nicht nur die dürren Worte. Ich wollte damit nur sagen: darüber herum rechten, wieviel schlechter die digitale Kommunikation übers Netz ist, bringt uns ja kein Stück weiter! Wo sind wir hier? In einer Netzkommunikation – du hast ein Projekt gestartet, wie es das seit langem nicht gegeben hat. Nicht, dass nicht viele andere auch die Probleme der Zeit diskutieren würden! Das Besondere ist, dass du als jemand, der seine Zeit grade nicht mit Geld verdienen (oder sich die Chance erhalten) verbringen muss, dich in dieser Thematik umfassend engagieren willst. Damit machst du etwas ganz Ungewöhnliches, im Grunde ist das ein Ansatz, den Begriff „Elite“ wieder positiv zu besetzen!

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  8. Wenn Sie sich wirklich über Marktwirtschaft, soziale Gerechtigkeit, Keynes vs. Hayek, Finanzwelt und Demokratie informieren möchten, dann schauen Sie doch mal auf meiner Website vorbei. Ganz kurz gesagt geht es darum, dass Hayek bereits an der absichtlichen Verursachung der Weltwirtschaftskrise 1929-33 mitgewirkt hat, während Keynes die Krise verhindern wollte. Das Ziel dieser Krise war es, durch die mit restriktiver Geld- und Finanzpolitik erzeugte Massenarbeitslosigkeit die Preise und Löhne (und die Lebensverhältnisse der Arbeiter) wieder auf das Vorkriegsniveau von 1913 zu drücken. Die Rentiers in England und den USA fühlten sich nämlich durch die Inflation der Kriegsjahre um einen Teil ihrer Profite aus diesem Krieg betrogen und wollten die Kaufkraft ihrer Geldvermögen mit der deflationären Depression erhöhen. Das war der Grund für das furchtbare Elend damals, bis England schon 1931 aus dem Goldstandard ausscheiden musste und ab 1933 die Politik des Kaputtsparens auch in den USA und Deutschland beendet wurde. Der genaue monetäre Zusammenhang wird auf meiner Website kurz erklärt. Sie finden da auch die herrschende Lehre der VWL widerlegt.

    Nach dem Krieg wurde zuerst eine keynesianische Politik der sozialen Marktwirtschaft durchgesetzt, was zu Vollbeschäftigung und einem steigenden Massenwohlstand führte. Seit in den 1970er Jahren die Neoliberalen die politische Vorherrschaft gewannen, wurden wieder gezielt und absichtlich mit Hochzinspolitik Krisen und Massenarbeitslosigkeit inszeniert. Die Krisen wurden von den korrupten Lehren der VWL und den ebenso korrupten Behauptungen der Politiker auf angeblich zu hohe Löhne, unzureichende Profite und eine durch das Sozialsystem zu sehr belastete Wirtschaft zurückgeführt. Am schlimmsten hat dann die Agendapolitik von SPD und GRÜNEN in Deutschalnd den Binnenmarkt zerstört und Millionen Bürger in einen Niedriglohnsektor mit anschließender Altersarmut gezwungen. Das in einer Währungsunion nicht zulässige Lohndumping führt zu den heutigen Exportüberschüssen, die ja eine Zwangsverschuldung der Handelspartner Deutschlands im Euroraum darstellen.

    Wenn Sie es also wirklich wissen wollen: http://www.wolfgang-waldner.com/

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    1. Hallo Herr Waldner, danke für den Kommentar! Aktuell lese ich grade Wolfgang Streeck, „Gekaufte Zeit“, der das alles ziemlich genau so darstellt wie Sie. Allerdings gibt es ein Problem in seiner Darstellung, zu dem ich gern Ihre Meinung kennen würde: Streeck erklärt, dass das Erstarken der Neoliberalen in 70ern daran lag, dass ein weitere sozialer Fortschritt aufgrund des nachlassenden Wachstums die Profite der Unternehmer so weit erodiert hätte, dass Unternehmertum schlicht uninteressant hätte werden können. Mit anderen Worten: bei ihm stellt sich die Frage, was dann die Alternative gewesen wäre (wenn man an Unternehmertum glaubt, was ich tue). Wie sehen Sie das?

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      1. Vielen Dank für Ihre rasche Antwort. Zu Ihrer Frage: Bei nachlassendem Wachstum lassen sich selbstverständlich keine hohen realen Profite realisieren. Der reale Profit der Unternehmer kann ja nur aus dem Wachstum des Kapitalstocks und dem Unternehmerkonsum resultieren. Was wir heute in gewaltigem Umfang akkumuliert sehen, sind Profite in Gestalt fiktiven Kapitals, also die Wertsteigerungen der Aktien und Anleihen an den Börsen und die diversen Phantasiepapiere der Finanzindustrie.

        Das Unternehmertum wird bei sinkenden Profiten aber nicht uninteressant, sondern die Eigentümer des Kapitals müssen halt mit der Kapitalerhaltung und dem Eigenkonsum zufrieden sein. Dazu wird allerdings Inflation benötigt, weil sonst jeder sein Geld in Staatsanleihen risikolos anlegen möchte. Das Geldvermögen auf der Bank darf also keine positive reale Rendite mehr abwerfen, sondern muss jedes Jahr an Kaufkraft verlieren, so dass sich die Anlage des Geldes in einer Firma trotz Miniprofiten im Vergleich zur Geldanlage in Anleihen deutlich besser rentiert.

        Man muss dazu wissen, dass die Ökonomie tatsächlich keinen Kapitalmangel haben und jeder Versuch, mit künstlich erhöhten Profiten für das Kapital mehr Investitionen zu erhalten und das Wachstum oder wenigstens die Produktivität zu steigern, auf falschen Modellannahmen der VWL beruht. Der Ökonomie fehlt kein Kapital, nur den einzelnen Menschen fehlt Kapital, weil die Ökonomie halt nicht viel davon braucht. Das ist auf meiner Website näher erklärt.

        Die Neoliberalen haben in den 70ern die Inflation mit hohen Zinsen bekämpft und den Unternehmern noch höhere Renditen versprochen, wofür sie deren Unterstützung gewinnen konnten. Nur funktioniert das Spiel makroökonomisch nicht lange und sogar kurzfristig nur mit ständigen Krisen. Diese hohen Renditen gibt es nur in Gestalt von fiktivem Kapital und irgendwann platzen die Börsenblasen und die Gewinne der Aktien und Anleihen und des sonstigen fiktiven Kapitals sind wieder weg. Das werden wir wohl bald erleben und es wird die Finanzkrise von 2007/8 weit übertreffen.

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  9. Hi Martin,

    studierst du jetzt VWL? 🙂
    Ich habe auch viel philosophiert über Kapitalismus, Kommunismus etc und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es egal ist, welche Wirtschaftsform eine Gesellschaft hat. Das Problem ist das in jeder Wirtschaftsform, sich immer ein Teil der Menschen über den anderen Menschen als Elite etablieren will. George Orwell’s Animal Farm lässt grüßen. Das Gleiche passiert seit dem Fall der Sowjetunion mit dem Westen. Vorher musste der westliche Kapitalismus sich ggü dem Kommunismus noch beweisen (competen) und von daher hat sich insbesondere in Westdeutschland die „Soziale Marktwirtschaft“ entwickelt. Mit der Niederlage des Kommunismus, hatte die Elite/das Establishment des Westens freie Bahn sich auf Kosten der Mehrheit (im In- und Ausland) zu berreichern. Schere Arm und Reich …
    Insofern liegt in meinen Augen das Problem des Vertrauensverlustes nicht an unserem Wirtschaftssystem an sich, sondern an der Elite und wie sie dieses steuert und zu ihren Gunsten ausnutzt.

    Ich kann dich nur dazu anregen auch außerhalb von „anerkannten“ Akademikern und Medien zu belesen, um eine holistische Sicht zu bekommen. Ich finde http://www.free21.org einen ganz guten Startpunkt dafür. Dort gibt es auch viele Leseempfehlungen neben dem Magazin.

    Viel Erfolg!
    Guntar

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    1. Na klar, VWL ist für’s Politikverstehen ja durchaus nicht unnütz. Die Frage ist, welche Doktrin es denn sein darf. 😉 Wegen der „Eliten“ – da mag viel dran sein. Aber dann muss es eben genau darum gehen sich zu fragen, wie man das hinbekommen kann, damit das besser im Griff bleibt. Danke für den Link-Tipp! 🙂

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